Können Sie uns kurz etwas über sich und Ihren Hintergrund im Design erzählen?
Mein Name ist Ralph Bingham. Ich bin Gründungsdirektor von MOLA Architecture Wir haben das Unternehmen vor etwas mehr als 15 Jahren in Dublin gegründet und beschäftigen heute über 55 Mitarbeitende. Unsere Arbeit umfasst Architektur, Innenarchitektur und Masterplanung. Etwa ein Drittel unserer Projekte sind Büroinnenräume, ein weiterer großer Teil ist Wohnbau, und wir entwerfen auch Schulen und Masterpläne. Wir haben mit Unternehmen wie Google, LinkedIn, Dropbox und Amazon zusammengearbeitet. Außerdem haben wir Projekte in ganz Europa abgeschlossen, darunter in Finnland, Polen und Portugal.

Wie haben sich Arbeits- und Lernräume in den vergangenen zehn Jahren entwickelt?
Der Fintech-Sektor, insbesondere Google, hat bei der Schaffung neuer Arten von Arbeitsräumen eine Vorreiterrolle eingenommen. Sie führten Huddle Rooms, Nischen und flexible Räume ein und entfernten sich von traditionellen Zellenbüros und langen Korridoren. Heute übernehmen sogar staatliche Behörden und Anwaltskanzleien offene Grundrisse und kollaborative Bereiche. Auch Besprechungsräume verändern sich. Große Vorstandsräume werden weniger genutzt, während kleine Räume für zwei oder drei Personen sehr gefragt sind. COVID hat diese Entwicklung beschleunigt. Jetzt sind Akustik, AV-Technologie und flexible Designlösungen wichtiger denn je.

Welche Bedeutung hat Nachhaltigkeit in Ihrer Arbeit?
Nachhaltigkeit ist zu einem zentralen Schwerpunkt geworden. Früher versuchten wir, unsere Kundinnen und Kunden dafür zu sensibilisieren, doch heute kommt das Interesse oft direkt von ihnen selbst und sogar von Investorinnen und Investoren. ESG-Richtlinien und Finanzierungsanforderungen drängen Unternehmen dazu, Verantwortung zu übernehmen. Kundinnen und Kunden fragen nach Materialien, CO₂-Fußabdruck und Rezyklierbarkeit. Dieser Wandel ist besonders in den letzten fünf Jahren deutlich geworden.
Welches Projekt war für Sie persönlich am bedeutendsten?
Eines der wichtigsten Projekte war Windmill Lane in Dublin. Es umfasste einen Masterplan, neue Büro- und Wohngebäude sowie die Renovierung eines alten Lagerhauses. Es brachte Architektinnen, Innenarchitektinnen und Planer aus unserem Büro zusammen, was nicht sehr oft vorkommt. Weitere erinnerungswürdige Projekte sind der Cherrywood Campus, wo wir einen Büropark aus den 1970er Jahren mit Landschaftsgestaltung und Outdoor-Meetingpods transformiert haben. Wir haben auch den Hauptsitz von Avalon mit einem großen Auditorium entworfen, das sich über zwei Etagen erstreckt, sowie das Dubliner Büro von Pinterest, das sehr verspielt und vielfältig ist. Jeder Raum ist einzigartig und von der Kultur Dublins inspiriert.

Wie werden sich Arbeits- und Lernräume in den nächsten zehn Jahren entwickeln?
Die Technologie verändert das Design sehr schnell. Tools wie Revit und Echtzeit-Rendering ermöglichen es bereits, Kundinnen und Kunden genau zu zeigen, was sie erhalten werden. Wir experimentieren jetzt mit KI in der Visualisierung. Sie ist nicht leicht zu steuern, aber sie beschleunigt den Prozess und bietet mehr Optionen. Ich glaube, dass Büros in Zukunft weiterhin mehr Vielfalt bieten werden. Es wird ruhige Bereiche, Kollaborationszonen, Townhall-Bereiche und Lernumgebungen geben. Die Unternehmenskultur im Büro bleibt sehr wichtig. COVID hat gezeigt, dass Remote-Arbeit zwar möglich ist, Menschen aber auch von Kolleginnen und Kollegen lernen und Beziehungen aufbauen müssen. Büros werden weiterhin zentral für Teamarbeit und Lernen sein, auch wenn die Flexibilität weiter zunimmt.
Künftig veröffentlichen wir monatlich neue Teile unserer Interviewserie mit Designerinnen und Designern. Abonnieren Sie unseren Newsletter, um Informationen über bevorstehende Interviews zu erhalten, sobald sie veröffentlicht werden, direkt in Ihr E-Mail-Postfach.
