Kรถnnten Sie sich kurz vorstellen und Ihr Hintergrund als Designer?
Ich bin Kristiina Kaitala, Innenarchitektin und eine der Kakadu der Aktionรคre. Ich habe 2006 meinen Abschluss am Lahti Institute of Design gemacht. Danach habe ich mehrere Jahre fรผr das Unternehmen gearbeitet und wurde spรคter Partner in Kakadu.
Ich habe mich schon als Kind fรผr Design interessiert. Ich wollte schon immer etwas Visuelles machen und mit Menschen arbeiten, auch wenn ich damals nicht wusste, dass es einen solchen Bereich gibt. Erst spรคter wurde mir klar, dass sich diese Dinge zu einem Beruf verbinden lassen.
In den letzten Jahren hat die Bedeutung von Arbeit und Systemdenken noch mehr an Bedeutung gewonnen. Vor allem unsere verantwortungsvolle Rolle und ein breiteres Verstรคndnis dafรผr, wie umweltschรคdlich das Bauen ist, haben mein eigenes Denken stark verรคndert.

In welcher Art von Team arbeiten Sie und wie arbeiten Sie viele Designer in Ihrem Bรผro?
Elf Innenarchitekten arbeiten bei Kakatu, drei davon sind Partner. Auรerdem haben wir drei Grafikdesigner. Die Mitarbeiter sind ebenfalls sehr stark in die Kunden- und Projektarbeit eingebunden, wobei ihre Aufgaben je nach Fรคhigkeiten, Interessen und Art des Projekts aufgeteilt sind.
An welcher Art von Projekten arbeiten Sie?
Wir bieten strategische Raum- und Identitรคtsplanung fรผr Immobilien, Arbeitsplatzgestaltung, Restaurant- und Wohnungsgestaltung und vieles mehr. Zu unseren Kunden gehรถren private Betreiber, der รถffentliche Sektor und zum Beispiel das Auรenministerium fรผr verschiedene Vertretungen. In den letzten Jahren haben wir unsere Dienstleistungen auch auf Lernumgebungen wie Schulen und Kindergรคrten ausgeweitet.
Sie sind auch in der Immobilienentwicklung tรคtig. Wie sehen Sie die Zukunft leer stehender historischer Gebรคude im Zentrum Helsinkis?
Das ist eine groรe Frage, und ich glaube nicht, dass ich sie als Innenarchitekt vollstรคndig beantworten kann. Die Nutzung des vorhandenen Gebรคudebestands ist absolut entscheidend - ob er nun im Zentrum von Helsinki liegt oder nicht. Anstatt neu zu bauen, sollten wir in erster Linie die Mรถglichkeiten erforschen, wie man bestehende leere Gebรคude auf neue Weise nutzen kann, und unser Verstรคndnis fรผr Nutzungsรคnderungen vertiefen. Wenn ein Gebรคude nicht gesundheitsschรคdlich ist, aber hauptsรคchlich aus รคsthetischen Grรผnden abgerissen werden soll, dann sollte eine breitere Gruppe von Experten die Entscheidung รผberdenken.
Als Designer ist es unsere Aufgabe, mit Respekt รผber die gebaute Umwelt zu sprechen. Wir heben den Wert und die Geschichte von Gebรคuden hervor, anstatt sie zu schmรคlern. Ein gut gestaltetes und gut argumentiertes Ganzes macht ein Gebรคude attraktiv, ohne dass man ihm etwas Kรผnstliches รผberstรผlpen muss.

Wie haben sich Ihrer Meinung nach die Arbeitsrรคume in Finnland in den letzten 10 Jahren entwickelt?
Arbeitsumgebungen haben sich stark verรคndert. Vor allem hat es eine Verlagerung weg von der markenorientierten Raumgestaltung hin zu einer stรคrkeren Unterstรผtzung der Unternehmenskultur und des Geschรคfts gegeben. Die Rolle des Innenarchitekten als Experte ist breiter gefรคchert: Er sammelt Daten, berรผcksichtigt soziale, wirtschaftliche und รถkologische Aspekte sowie das Geschรคft des Eigentรผmers und Mieters und entwickelt auf dieser Grundlage in Zusammenarbeit mit den รผbrigen Mitgliedern der multidisziplinรคren Projektorganisation funktionale Raumkonzepte.
Auch die Arbeitsumgebungen sind kleiner geworden und stรคrker auf die Unterstรผtzung hybrider Arbeitsformen ausgerichtet. Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass Rรคume nur ein Teil des Ganzen sind. Ebenso wichtig ist, wie die Nutzer mit den Rรคumlichkeiten interagieren, wie sie bei der Anpassung an die neue Schnittstelle unterstรผtzt werden und welche Spielregeln den tรคglichen Betrieb der Organisation unterstรผtzen - und wer ist fรผr deren Einhaltung verantwortlich?
Wie sehen Sie die Entwicklung der Telearbeitskultur und wie spiegelt sich diese in Ihrer Designarbeit wider?
Die Telearbeit wird sich durchsetzen, aber auch hier ist Ausgewogenheit gefragt. Die Arbeit aus der Ferne allein untergrรคbt oft die Gemeinschaft, das individuelle Wohlbefinden und sogar die Qualitรคt der Arbeit - so viel ist jedem klar. Wohlbefinden entsteht durch sinnvolle Beziehungen zu unserer Umwelt, und gut gestaltete Rรคume tragen zu diesem Denken bei.
Die Arbeit von Angesicht zu Angesicht ist nach wie vor sehr wichtig, vor allem wenn es darum geht, gemeinsam komplexe Probleme zu lรถsen. Die Anwesenheit gibt dem, was wir tun, auch einen Sinn und verstรคrkt das Gefรผhl, Teil eines grรถรeren Ganzen zu sein. Und natรผrlich wissen wir alle um die Vorteile der Arbeit aus der Ferne. Es wird also beides gebraucht.
In der Entwurfsarbeit spiegelt sich diese Kultur und Herangehensweise in konkreten Anforderungen wie Akustik, Schalldรคmmung, Beleuchtung, Ergonomie und Technologie wider. Die Rรคume mรผssen sowohl die physische als auch die digitale Interaktion mit hoher Qualitรคt unterstรผtzen.
Die Grundbedรผrfnisse des Menschen haben sich nicht geรคndert - ich wรผrde mich weiterhin auf die hohe Qualitรคt der Materialien, die Funktionalitรคt und die Gesamtรคsthetik der Rรคume verlassen, ganz gleich, in welche Richtung sich die Telearbeitskultur entwickelt.

Welche Rolle spielen Nachhaltigkeit und Umweltverantwortung bei Ihrer Arbeit?
Bei allem, was wir tun, spielt Verantwortung eine groรe Rolle: Es geht auch darum, sich seiner Handlungen und deren Auswirkungen bewusst zu sein. Nachhaltigkeit beginnt mit einer Denkweise und spiegelt sich in unserer gesamten Planung wider. Ich halte es fรผr besonders wichtig, dass die Planung systemisch und ganzheitlich und mit einem Bewusstsein fรผr die planetarischen Grenzen erfolgt.
Bei Bauprojekten wird immer noch zu sehr in einzelne Bereiche unterteilt, wรคhrend in Wirklichkeit die besten Ergebnisse durch die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Sektoren zur Erreichung eines gemeinsamen Ziels erzielt werden. Wir sollten das groรe Ganze besser verstehen und Entscheidungen auf dieser Grundlage treffen, anstatt nur einzelne Bereiche zu optimieren.
Umweltfragen werden auch fรผr Kunden und Endverbraucher immer wichtiger, sind aber nicht immer selbstverstรคndlich. Es ist dann unsere Aufgabe, die Debatte in die richtige Richtung zu lenken. Nicht alles muss demontiert werden, und oft muss an den Rรคumlichkeiten nichts getan werden! Bestehende Lรถsungen sind oft durchaus brauchbar und auch รคsthetisch ansprechender und nachhaltiger als neue Lรถsungen. Es lohnt sich also, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die fรผr die Nutzer und das Gebรคude selbst wirklich wichtig sind.

Welches war ein sinnvolles Projekt, an dem Sie beteiligt waren?
Fรผr mich geht es nicht um das einzelne Projekt, sondern darum, wie wir die Herausforderungen des Kunden lรถsen und einen langfristigen Wert fรผr den Kunden, die Nutzer, den Eigentรผmer und den Betrieb als Ganzes schaffen kรถnnen. Fรผr jedes Projekt werden die Ziele gemeinsam mit dem Kunden definiert. Sie leiten die Arbeit von Anfang bis Ende. Die Rolle des Designers besteht nicht nur in der Ausfรผhrung, sondern auch darin, das Ergebnis durch aktive Interaktion mit den Beteiligten wirklich zu beeinflussen.
Ein Beispiel ist das Bรผrogebรคude Walli in Keilaniemi, Espoo. Das 1987 fertiggestellte und 2011 modernisierte Gebรคude ist eine gemeinschaftsorientierte Mehrzweckeinrichtung, deren visuelle Identitรคt und rรคumlicher Kontext wir aus den Rรคumlichkeiten des Gebรคudes heraus entwickelt haben.
Die visuelle Identitรคt des Projekts wurde in Zusammenarbeit mit dem Kunden auf der Grundlage der Architektur des Gebรคudes sowie der vorhandenen Materialien und der Atmosphรคre entwickelt. Das neue Erscheinungsbild wurde in die grafischen Materialien, die Lobbys und die Beschilderungslรถsungen integriert.
Das Projekt dient als Beispiel dafรผr, wie ein bestehendes Gebรคude entwickelt werden kann, um seine Stรคrken hervorzuheben.

Was sind die aktuellen Trends bei der Arbeitsplatzgestaltung in Finnland?
Ich halte nicht viel von Trenddenken, es sei denn, man spricht von Megatrends. Viel wichtiger ist die Richtung, in die man geht. Ich mรถchte dazu beitragen, dass es mehr langlebiges und nachhaltiges Design gibt, bei dem Gebรคude und Rรคume so hochwertig gestaltet sind, dass sie nicht stรคndig verรคndert werden mรผssen. Rรคume werden aufgrund ihrer Qualitรคten und Attraktivitรคt genutzt und nicht, weil sie stรคndig verรคndert werden, um einem Trend zu entsprechen.
Was ist Ihnen bei der Auswahl von Lieferanten und Materialien wichtig?
Wir schรคtzen Anbieter, die ihr eigenes Angebot zu einem hochwertigen und nachhaltigen Paket geschnรผrt haben. Es muss nicht alles mรถglich sein und man muss nicht immer etwas Neues produzieren. Wichtiger ist es, bestehende Produkte weiterzuentwickeln, auf Qualitรคt, Gebrauchstauglichkeit und Langlebigkeit zu achten und Faktoren wie Standort und Herkunft der Materialien zu berรผcksichtigen.
Wie werden sich Ihrer Meinung nach Arbeitsumgebungen und deren Gestaltung in Zukunft entwickeln?
Wir arbeiten selbst daran, das kurzfristige Denken in unserer Branche im Allgemeinen zu รผberwinden. Gebรคude haben einen langen Lebenszyklus und sollten mehreren Nutzern dienen, ohne dass sie stรคndig abgerissen und umgebaut werden mรผssen. Einrichtungen sollten so gut konzipiert sein, dass sie รผber Jahrzehnte hinweg ohne grรถรere Verรคnderungen fรผr eine Vielzahl von Bedรผrfnissen genutzt werden kรถnnen.
KI kann ein sehr nรผtzliches Werkzeug sein, insbesondere fรผr die Rationalisierung von Prozessen und den Umgang mit Daten. Bei der Designarbeit beispielsweise besteht ihr grรถรter Wert darin, dass sie Zeit fรผr hochwertiges kollaboratives Denken freisetzt. Unsere Aufgabe ist es jedoch immer, die Genauigkeit des Endergebnisses zu gewรคhrleisten: KI kann die Arbeit beschleunigen, aber die Verantwortung fรผr den Inhalt und die Machbarkeit bleibt beim Designer.

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